Hinschauen, bevor es eskaliert: Jugendarbeit im Einsatz für belastete Jugendliche
In der Gemeinde Bubikon fallen Jugendliche kaum negativ auf. Trotzdem zeigt sich eine Zunahme der psychischen Belastung. Gerade deshalb braucht es die Offene Jugendarbeit mehr denn je.
Als Anja ins Jugi kommt, fällt dem Jugendarbeiter sofort auf, dass etwas nicht stimmt. Normalerweise ist die Jugendliche in Begleitung ihrer Freundinnen. Heute steuert sie direkt aufs Sofa zu und vertieft sich in ihr Handy. Der Jugendarbeiter spricht sie an: «Du bist heute allein hier, geht es dir nicht gut?» Was folgt, ist ein regelrechter Ausbruch: Die Essstörung sei eskaliert, sie müsse in die Klinik und habe Angst, dort keinen Anschluss zu anderen Patientinnen zu finden.
Die Geschichte ist erfunden, könnte aber in den letzten Monaten so ähnlich stattgefunden haben, wie Jugendbeauftragte Alexandra Matulla erklärt: «Wir stellen fest, dass immer mehr Jugendliche unter psychischen Belastungen leiden oder sogar Störungen entwickeln.» Das Phänomen betrifft alle 35 Gemeinden, in denen die MOJUGA Stiftung Offene Jugendarbeit leistet. Allein in Bubikon haben sich im letzten halben Jahr 18 Jugendliche in Krisensituationen an die Offene Jugendarbeit gewandt.
Konstante Beziehungsangebote
«Es braucht viel, bis Jugendliche Erwachsene ins Vertrauen ziehen, wenn es ihnen nicht gut geht», erzählt die Jugendbeauftragte aus ihrem Alltag. Oft täten sie das nur in über längere Zeit gewachsenen Beziehungen, wenn sie spontan die Möglichkeit bekämen, sich in einem ungezwungenen, vertrauten Rahmen zu öffnen, ohne sich zu exponieren. Diese Voraussetzungen bietet die Offene Jugendarbeit – sowohl das Jugi als auch Begegnungen im öffentlichen Raum.
Die Jugendarbeitenden achten genau auf Veränderungen im Verhalten und der Stimmung der Jugendlichen. Fällt ihnen etwas auf, wägen sie ab, wer von ihnen in welchem Moment auf die Jugendlichen zugeht und wie sie es ansprechen. In Gesprächen hören sie zu, fragen zurück, zeigen Möglichkeiten auf und verweisen auf Fachstellen. «Professionell geschulte Jugendarbeitende haben Einblicke, wo sie anderen Erwachsenen oft fehlen», erklärt Matulla.
Jugendliche grossem Druck ausgesetzt
Die MOJUGA-Jugendarbeitenden berichten von Suizidalität, Essstörungen, Selbstverletzungen und Depressionen, die teilweise stationäre Therapien erfordern. «Es fällt auf, dass es ausschliesslich Mädchen betrifft», sagt Alexandra Matulla. Sie vermutet einen Zusammenhang mit der klassischen weiblichen Sozialisation innerhalb der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen: «Der Druck auf die Mädchen ist so hoch, dass sie ihn nicht mehr bewältigen können.»
Auch wenn bei Einzelnen familiäre Probleme auszumachen seien, warnt die Jugendbeauftragte Matulla davor, die Familien dafür verantwortlich zu machen: «Auch liebevolle, zugewandte Eltern sind kein Garant dafür, dass es Jugendlichen gutgeht.» Menschen sicher durch diese besonders verletzliche Phase im Leben zu begleiten, sieht sie als Aufgabe der gesamten Gesellschaft.
Umso wichtiger ist ihr zu betonen, dass die Gemeinde Bubikon gut aufgestellt sei, den Jugendlichen wohlwollend gegenübertrete und Entwicklungsmöglichkeiten sowie Hilfsangebote zur Verfügung stelle. Viele der betroffenen Jugendlichen sind in ein Hilfsnetzwerk eingebettet und stehen neben der Offenen Jugendarbeit auch mit der Schulsozialarbeit in Kontakt oder nehmen therapeutische Hilfe in Anspruch. Damit dieses Netzwerk trägt und Jugendlichen möglichst früh Hilfe bekommen, sind verlässliche Beziehungen, wie sie die Offene Jugendarbeit anbietet, entscheidend.
Weitere Informationen zu den Angeboten der Offenen Jugendarbeit, zu Öffnungszeiten und zum Team unter jugendarbeit-bubikon-wolfhausen.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet..